Pressegespräch bei FTE automotive
CEO Dr. Andreas Thumm und Betriebsratsvorsitzender Jürgen Hennemann stehen der Presse Rede und Antwort.
Ebern/Fischbach (bd) Verhaltener Optimismus bei FTE: Dr. Andreas Thumm, Vorsitzender der Geschäftsführung, zeigte sich zum Jahresauftakt zufrieden mit der aktuellen Entwicklung im Unternehmen. Und auch aus Sicht der Mitarbeiter verläuft diese Entwicklung positiv. Das lässt sich den Worten von Jürgen Hennemann, Betriebsratsvorsitzender Werk Ebern, entnehmen.
„Das Jahr 2011 ist gut gelaufen“, sagte Thumm beim Pressegespräch zum Jahresauftakt am Donnerstag im Werk Fischbach. Ein Umsatz von 430 Millionen Euro steht laut Jahresabschluss zu Buche – ein Zuwachs von mehr als zehn Prozent gegenüber 2010.
Eine weitere erfreuliche Kennzahl: 20 Millionen Euro hat die FTE Gruppe im Jahr 2011 investiert, ebenfalls ein Anstieg gegenüber den vergangenen Jahren, wie Thumm anmerkte. Und: Die Gespräche mit den Banken über die Verlängerung der Finanzierung bis 2014 verliefen positiv. Dadurch sei gesichert, dass das Unternehmen „auch auf der Passivseite gut dasteht und solide finanziert ist.
Für 2012 sei die Entwicklung im Automobilgeschäft weiterhin stabil, so Thumm. Die Geschäftsführung rechnet mit einem leichten Wachstum von drei bis fünf Prozent für die FTE Gruppe im Vergleich zu 2011. Dies sei abhängig davon, wie die finanziellen Probleme der EU gelöst würden und wie sich die Situation auf dem Markt entwickle. Die Investitionen bei FTE sollen gegenüber den Vorjahren um 50 Prozent zunehmen.
Erfreulich aus Sicht der Beschäftigten: alle Auszubildenden konnten im vergangenen Jahr unbefristet übernommen werden. Unisono merkten Andreas Thumm und Jürgen Hennemann an, dass die jungen Leute im Unternehmen gebraucht würden. Der Betriebsratsvorsitzende verwies dazu auf den demographischen Wandel.
Dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt insgesamt verändert – Stichwort Fachkräftemangel – macht sich schon bemerkbar. „Es ist schwer, an gute Leute heranzukommen“, sagte Thumm. Seiner Einschätzung nach geht es aber nicht nur dem Automobilzulieferer aus den Haßbergen so. FTE sucht derzeit unter anderem Mitarbeiter für den Bereich Entwicklung. Jürgen Hennemann sieht in der regionalen Lage einen Nachteil beim Wettstreit um qualifiziertes Personal. „Ebern kennt keiner“, sagte er. Aber: „Wenn die Leute erst mal hier sind, wissen sie es zu schätzen.“ Die Fluktuation sei ganz gering, so der Betriebsratsvorsitzende. Insgesamt beschäftigt die FTE Gruppe derzeit etwa 3 600 Mitarbeiter, davon rund 1 750 am Stammsitz Ebern und circa 420 im Werk Fischbach.
Als „richtigen Weg“ bezeichnete Hennemann die Strategie von FTE, bei der Personalpolitik auf eine Mischung zu setzen: eigene Mitarbeiter über den zweiten Bildungsweg weiter zu qualifizieren – dies habe die Firma stark gemacht – und neue Mitarbeiter von außen zu gewinnen.
Dass die FTE Gruppe weltweit produziert und diese internationale Präsenz verstärken will, ist für die deutschen Standorte nicht automatisch bedrohlich – im Gegenteil: Zulieferungen an die Produktionsstätten des Unternehmens im Ausland sichert laut Hennemann auch Beschäftigung hier. Wie Andreas Thumm erläuterte, geht es dabei unter anderem um Teile, bei denen es sich nicht lohnt, eine Produktion vor Ort aufzubauen. Im Zusammenhang mit den Schwerpunkten für 2012 betonte Thumm zudem, dass auch die Produktion in Deutschland ausgebaut werden soll.
Bereits im vergangenen Jahr wurde unter anderem ein so genannter Sauberraum im Werk Fischbach zur Herstellung von Kupplungsteilen eingerichtet. Außerdem investierte die Firma in neue Maschinen für die Werke in Ebern und Fischbach.
International hat sich FTE mit Anwendungen für Doppelkupplungsgetriebe ein neues großes Standbein erschlossen, parallel zu den Bereichen Bremsen und manuellen Kupplungsgetrieben. General Motors, VW mit seiner Konzerntochter Audi sowie SAIC, der größte chinesische Hersteller, gehören zu den neu gewonnenen Abnehmern. In den Werken in China und Brasilien wurden neue Mitarbeiter eingestellt. Andreas Thumm lobte das Engagement der Beschäftigten aus Ebern und Fischbach, die den Prozess dort unterstützt hatten, zusätzlich zum Tagesgeschäft. Weiter merkte er an, der Aufbau in diesen beiden Ländern habe sich nun positiv bemerkbar gemacht, angesichts des leichten Rückgangs beim Absatz in Europa. Diese Abschwächung wiederum ist laut Thumm vor allem auf die wirtschaftliche Lage in Südeuropa zurückzuführen.
Für die kommende Zeit setzt FTE weiter auf Expansion: Auch in Indien soll ein Produktionsstandort aufgebaut werden. Geplant ist, dass die Bänder dort im Jahr 2013 anlaufen.
von Beate Dahinten

